Hat Profit eine moralische Legitimation?

Moral in der Wirtschaft: Gibt es die? Oder treffen moralische Maßstäbe hier nicht auf unversöhnliche Gegner – Wettbewerb und Gewinnstreben, ja den Kapitalismus als solchem? „Erst kommt das Fressen, dann die Moral", dichtete bereits Bertold Brecht. Und hatte damit natürlich recht. Denn moralisch kann die Wirtschaft nicht sein, wenn moralisch gleichbedeutend mit selbstlos und uneigennützig sein soll. Dann wäre jedes Streben nach Gewinn unmoralisch. Und wir hätten entweder keinen Wohlstand – oder keine Moral.
Moral und Realität
Also muss man den Begriff Moral etwas weiter fassen. Wer für sich Vorteile sucht, aber dabei Andere nicht vergisst – der kann durchaus moralisch handeln. Zum Beispiel, indem er dem Markt gute Produkte anbietet, innovativ und preiswert. Indem er Angebote macht, die gewünscht und gebraucht werden.
Klingt gut – aber was hat das mit der Realität zu tun? In der öffentlichen Wahrnehmung regierte gerade in den vergangenen Jahren vornehmlich die nackte Habgier in der Wirtschaft. Jedes Risiko schien in Ordnung, um den Profit zu maximieren. Und falls es schiefgeht, zahlt halt die Allgemeinheit die Zeche.
Alles ganz einfach. Aber ist es wirklich so? Hat nicht selbst der allseits verurteilte Abbau von Arbeitsplätzen in Deutschland eine moralische Legitimation – wenn diese Arbeitsplätze anderswo wieder neu entstehen? Wer also sagt: Stellenabbau hierzulande aus reinem Profitstreben ist unmoralisch, der beruft sich auf eine regional gültige Moral. Moralische Maßstäbe aber sollten universell gelten.
Vorteilsstreben nutzt letztlich allen
Schon vor gut 200 Jahren stellte der englische Ökonom Adam Smith den Leitsatz auf, dass das Vorteilsstreben des Einzelnen die Wirtschaft antreibt und somit allen nützt. Allerdings nur, wenn der Markt auf einer gewissen Ordnung beruht.
Und genau dies ist doch das eherne Prinzip unserer Marktwirtschaft: Wir handeln im Rahmen gewisser Regeln – und dann haben letztlich alle etwas davon. Wer folglich moralisch wirtschaftet, bewegt sich in diesem Rahmen: Faire Verträge, die eingehalten werden. Kunden und Mitarbeiter, die als Partner angesehen werden. Und wenn möglich auch noch ein Unternehmensengagement für Umwelt oder Kultur.
Transparenz, Fairness und Integrität als Säulen wirtschaftlichen Handelns. Dann ist das Streben nach Profit alles andere als unmoralisch. Sondern im besten Sinn anständig.
Klaus Peters
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